Der U.F.O. - Eine Wohnung für uns allein
die.plan.werkerinnen - Eine interdisziplinärer feministischer Arbeitskreis
Die Exkursion nach Vorarlberg - Eine Arbeitsgrundlage
Wegenetz in Mäder - Frauen und Mobilität
Freiraumgestaltung und Architektur
Aktuelle Architektur in Vorarlberg
Die Geschichte des Arbeitskreises die.plan.werkerinnen ist eng mit dem U.F.O. verbunden, denn dieser Ort bietet uns seit Herbst 1998 die Möglichkeit zu regelmäßigen Treffen. Diese Kontinuität und die Möglichkeit zur Benutzung eines Arbeitsraumes ermöglicht eine hohe Qualität in der Zusammenarbeit und regelmäßigen Output aus der Zusammenarbeit.
Seit 1980 arbeiten Studentinnen in den Räumlichkeiten der Berggasse 5/24 im 9. Wiener Gemeindebezirk. Seit dieser Zeit fanden und finden verschiedene Frauenveranstaltungen und Aktivitäten statt, der Verein "Frauenforschung und weiblicher Lebenszusammenhang" wurde gegründet und wenig später das Frauen- und Lesbenarchiv "Stichwort". Als dieses im Oktober 1995 in die Diefenbachgasse 38/1, Wien 15. umzog, gründeten engagierte Studentinnen, der Tradition der Räumlichkeiten gemäss, den U.F.O. (UniFrauenOrt).
Der U.F.O. bietet bestehenden Frauengruppen einen Ort für ihre selbstorganisierte Arbeit und Anregung zu neuen Aktivitäten und Gruppen. So können z. B. Seminare, Arbeitsgruppen, Rhetorikkurse, Supervisionen, informelle Treffen und vieles mehr hier stattfinden.
Unsere Gruppe wurde im Herbst 1998 von Architektur- und Landschaftsplanungsstudentinnen im Rahmen des österreichweiten Tutoriumsprojekts ins Leben gerufen. Die Idee entstand während des Arbeitskreises Frauen in Naturwissenschaft und Technik, in dem sich schon einige der Teilnehmerinnen mit feministischer Wissenschafts- und Technikkritik beschäftigt hatten. Für einige von uns sind die feministischen Lehrinhalte am und um das Institut für Landschaftsplanung der Universität für Bodenkultur, Wien ein wichtiger Anknüpfungspunkt. Der Subsistenzansatz der Bielefelderinnen sowie verschiedene Veröffentlichungen deutscher Planerinnen, z. B. Christiane Erlemann, Ruth Becker und Kerstin Dörhöfer liefern wichtige Inputs für unsere Diskussionen. Die eigenen Erfahrungen im Studium bilden die Grundlage der theoretischen Diskussionen. Daher ergeben sich mehrere Schwerpunkte, wie die Auseinandersetzung mit formal-ästhetischen Fragen und auch die Reflexion der freiraumplanerischen Theorie.
In den letzten Arbeitsjahren haben wir einige Artikel zu feministischer Planung veröffentlicht (siehe Publikationsliste im Anhang) und zu dekonstruktivistischen Theorien (u.a. Donna Haraway) gearbeitet.
Für das Arbeitsjahr 2000/2001 wurde eine genaue Arbeitsplan festgelegt. Nach vielen Textdiskussionen und dem Verfassen eigener Artikel und Texte haben wir landschaftsplanerische und architektonische Ausstellung in Wien besucht, um so zu einem Austausch und Verständnis der Herangehensweisen in den einzelnen Planungsdisziplinen zu kommen. Als Start ins Sommersemester erfolgte eine Exkursion nach Vorarlberg. Diese Exkursion wurde in den letzten Jänner- und Februarwochen vorbereitet und ist als Arbeitsgrundlage für das folgende Sommersemester zu sehen. Vorarlberg hat eine Vielzahl an realisierten Projekten zahlreicher bekannter ArchitektInnen zu bieten und ist für angehende planende Frauen ein sehr spannendes Exkursionsziel.
Wir 1 verbrachten von 10.03.-12.03.2001 arbeitsreiche Tage in Mäder, einer Gemeinde im Rheintal, die seit den 70-er Jahren eine konsequente Flächenwidmungsplanung verfolgt und ein hohes Umweltbewusstsein entwickelt hat. Diese kommt im Bau einer Ökohauptschule, eines Gemeindezentrums und eines neuen Pfarrheims zum Ausdruck, zumal öffentliche Gebäude als Niedrigenergiehäuser gebaut sind und von einer zentralen Hackschnitzelheizung versorgt werden. In der Gemeinde fanden wir freundliche und interessierte Aufnahme und konnten von den Zuständigen in der Gemeinde Unterlagen, Pläne und Auskünfte erhalten, die über ein übliches Maß deutlich hinaus gingen. Die Gemeinde Mäder hat nicht nur im öffentlichen Bau, sondern auch im Wohnbau innovative Häuser und Gebäude zu bieten. Im Rahmen dieser Exkursion haben wir in drei Kleingruppen zu Schwerpunktthemen Grundlagen erhoben, die im Sommersemester weiter bearbeitet und so zu einem konkreten Ergebnis führen werden. Anhand dieser Themen, es sind dies - Frauen und Mobilität, Freiräume um öffentliche Gebäude sowie zwischen Siedlungen und die aktuelle Architektur in den Alpen - werden theoretische Texte und eigene Erfahrung diskutiert und in Kontext gebracht.
Das Ziel des Arbeitskreises ist zu zeigen, dass feministische Planung ist für uns nicht gleichbedeutend mit "weiblicher" Planung ist, da wir keine androzentrischen Rollenzuschreibungen in unserer Arbeit reproduzieren wollen. Feministische Planung bedeutet, Konzepte zu formulieren, die der Lebensrealität von Frauen Rechnung tragen. Darüber hinaus wollen wir die Raumaneignung (z. B. Nutzbarkeit des öffentlichen Raumes, alternative Wohnungsgrundrisse) von Frauen unterstützen, mit dem langfristigen Ziel, die androzentrischen Geschlechterverhältnisse grundlegend zu verändern. Über die Reflexion unseres Studien- und Berufsalltags versuchen wir, uns gegenseitig zu stärken und eigene Lern- und Arbeitsstrukturen abseits der bestehenden Hierarchien zu entwickeln. Ein weiteres Ziel unserer Diskussionen ist, die androzentrisch geprägte Planungstradition zu hinterfragen und ein eigenes feministisches Planungsverständnis zu formulieren.
Die eigenen Erfahrungen im Studium bilden die Grundlage der theoretischen Diskussionen. Daher ergeben sich mehrere Schwerpunkte, wie die Auseinandersetzung mit formal-ästhetischen Fragen und auch die Reflexion der freiraumplanerischen Theorie.
Diese grundsätzlichen Ziele des Arbeitskreis lassen sich mit der Exkursion als neuen Input für das Arbeitsjahr 2001 gut verbinden. Das Arbeiten am konkreten Ort mit vielen unterschiedlichen Gebäude und Freiräumen ist für uns als Planerinnen eine wichtige Grundlage in unserem Berufsleben. Der studentische Arbeitskreis die.plan.werkerinnen hilft uns dabei feministische Positionen zu festigen und bietet uns einen Rahmen zur gegenseitigen Unterstützung in unserem Uni- und Berufsalltag.
Als Einsteig in den Ort unserer Exkursion machten wir einen Spaziergang, in dem wir uns anhand ausgewählter Haltepunkte mit verschiedenen planerischen Themen in Mäder vertraut machten. Vorbereitet wurde dieser Arbeitsschritt von Elke Szalai und Kirsten Förster.
Schon während des Spaziergangs wurden die unterschiedlichen Straßen- und Wegefreiräume thematisiert. Aufgefallen sind uns:
Ursprünglich wollten wir das Thema Wegenetz in Mäder - Frauen und Mobilität über Beobachtungen der NutzerInnen auf Weg und Straße hinsichtlich ihres Verhaltens, ihrer Aneignung und über Gespräche (Wege im Alltag, Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, ...) erarbeiten. Da aber die dafür vorhandene Zeit zu kurz gewesen wäre und es uns an Kontakten zu den Leuten gefehlt hat, einigten wir uns darauf, durch eine Realnutzungskartierung des vorhandenen Wegenetzes mit begleitender Beobachtung der NutzerInnen (Notizen) in Mäder uns eine Arbeitsgrundlage zu schaffen, mit der wir im Sommersemester weiterarbeiten können.
Die Erarbeitung dieser Arbeitsgrundlage erfolgte mit der landschaftsplanerisch-indizienwissenschaftlichen Arbeitsweise. Wir hatten das Ziel, vom Ort aus unser Thema zu bearbeiten, daher haben wir in Mäder verschiedene Weg- und Straßenquerschnitte aufgenommen. Insgesamt machten wir 27 Einzelaufnahmen von Weg- und Straßenquerschnitten. Im nächsten Schritt reihten wir diese Aufnahmen nach Ähnlichkeiten und Unterschieden. Durch die Zusammenfassung ähnlicher Aufnahmen ließen sich Typen von Wegen und Straßen bilden. Die in Mäder vorhandenen Typen sind im Kartierschlüssel dargestellt. Mittels Kartierschlüssel kartierten wir alle Wege und Straßen im Bearbeitungsgebiet, das wir aus zeitlichen Gründen um das Ortszentrum eingrenzten.
Für die Aufnahmen und die Erstellung des Kartierschlüssels brauchten wir zu dritt einen Arbeitstag, ca. einen dreiviertel Tag für die Kartierung.
Das Thema unserer Kleingruppe ist der Bezug zwischen der Architektur und dem Freiraum.
Diesen und anderen Fragen wollen wir im laufenden Semester nachgehen. Mit genauen Aufnahmen der aktuellen Situation über Fotos und Skizzen haben wir uns Grundlagen erarbeitet, auf deren Basis wir praktisch wie theoretisch weiterarbeiten können. Wir wollen die unterschiedlichen Gestaltungskonzepte auf der theoretischen Ebene hinterfragen, aber auch konkrete Planungsvorschläge für einzelne Bereiche (z. B. Schulhof, Abstandsfläche zwischen Schule und Vorplatz etc.) ausarbeiten.
Wir haben uns Beispiele aktueller Architektur in Vorarlberg angeschaut:
Anhand dieser Beispiele wollen wir das kommende Semester im U.F.O. zu aktueller Architektur in Vorarlberg arbeiten. Dabei interessiert uns das Bauen am Land, das Bauen im alpinen Raum. Zwei Zitate sollen verdeutlichen, in welche Richtung wir denken wollen:
Grundlage unserer Arbeit sind neben den Beispielen aus Vorarlberg und Materialien über die Ortsplanung in Mäder folgende theoretische Texte:
Einstieg
Der U.F.O. - Eine Wohnung für uns allein
In diesem Rahmen gibt es für Frauen die Möglichkeit, sich mit ihrer speziellen frauenspezifischen Situation, an der Universität und in der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Der U.F.O. ist ein Ort der kritischen Reflexion der patriarchalen Wissenschaft und Lehre sowie der Universität als männerdominierten Institution.
Aus dem Frauentutoriumsprojekt heraus bildeten sich unter anderem der Arbeitskreis "Frauen in Naturwissenschaft und Technik", der sich schon seit dem Wintersemester 1997/98 trifft. Dieser befasst sich vorwiegend mit feministischer Naturwissenschaftskritik und -theorie (Donna Haraway, Sandra Harding, Evelyn Fox Keller). Im Wintersemester 1998/99 entstand die Arbeitsgruppe "die.planwerkerinnen", Architektinnen und Landschaftsplanerinnen arbeiten hier zu planungsrelevanten feministischen Themen.
die.plan.werkerinnen
Ein interdisziplinärer feministischer Arbeitskreis
Die Exkursion nach Vorarlberg - eine Arbeitsgrundlage
Mäder
Nach der Erhebung der Daten und dem Skizzieren der Freiräume, Straßen und Wege ist das Ziel trotz vieler positiver Aspekte in der Gemeinde hinter die "Fassade" zu schauen um zu erkennen, welche Planungstradition dahintersteckt und ob der Alltag von Frauen und Mädchen sichtbar gemacht wird und deren Raumaneignung in einer kleinen Gemeinde unterstützt wird.
Wegenetz in Mäder - Frauen und Mobilität
Zukünftiger Arbeitsplan
Weiterführende Literatur
Bearbeiterinnen in Mäder:
Simone König
Kirsten Förster
Martina Jauschneg
Freiraumgestaltung und Architektur
In der Gemeinde Mäder gibt es mehrere realisierte Beispiele moderner Architektur. Viele öffentliche Gebäude wie z. B. die Öko-Hauptschule, der Veranstaltungssaal, die Turnhalle und der Kindergarten wurden in den letzten zwei Jahrzehnten geplant und gebaut. über eine Führung in der Öko-Hauptschule, dem Veranstaltungssaal und der Turnhalle erhielten wir einen ersten Einblick in das architektonische Konzept bzw. die architektonischen Konzepte, die teilweise sehr interessant für uns waren. Nachdem wir aber einen Blick auf die Gestaltung der Freiräume geworfen hatten, stellten wir uns Fragen wie:
Aktuelle Architektur in Vorarlberg
"Schöpft ein Entwurf alleine aus Bestand und der Tradition, wiederholt er das, was sein Ort ihm vorgibt, fehlt mir die Auseinandersetzung mit der Welt, die Ausstrahlung des Zeitgenössischen. Erzählt ein Stück Architektur nur Weltläufiges und Visionäres, ohne ihren konkreten Ort zum Mitschwingen zu bringen, vermisse ich die sinnliche Verankerung des Bauwerks an seinem Ort, das spezifische Gewicht des Lokalen." (Peter Zumthor, zitiert nach Friedrich Achleitner: Heimkehr der Moderne? in Architektur Aktuell 202, April 1997)
"Besucher von Vorarlberger Architekturbeispielen wundern sich oft, wie derartige Formvorstellungen oft tief im Landesinneren zu realisieren sind. Das hat mit der Programmatik zu tun, welche die Bedürfnisse der Auftraggeber ernst und vor allem als Ausgangspunkt nimmt. ... Bauherren wollen jene Probleme gelöst haben, die durch Bauwerke zu lösen sind. Wenn als Mehrwert noch Kunst dazukommt, haben sie nicht dagegen. Ziel kann, ja soll sogar die Kunst sein, aber sie steht besser am Ende einer architektonischen Arbeit als am Anfang der Diskussion." (Roland Gnaiger, zitiert nach: Roland Gnaiger: LandLuft in: Architektur Aktuell 233/234, Oktober 1999)